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Wußten Sie schon, dass …?

Archiv 2015

Wussten Sie schon, dass „man selbst zu sein“ verschiedene Bedeutungen in unterschiedlichen Kulturen hat?

Dezember 2015

In den letzten Jahren hat sich die Psychologie intensiv mit der subjektiven Erfahrung von Authentizität beschäftigt. Diese Erfahrung beschreibt das Gefühl, dass das Verhalten einer Person ihrem „echten“ Selbst entspricht, d.h. ihren persönlichen Einstellungen, Werten, oder Vorlieben. Authentizität spielt eine wichtige Rolle in verschiedenen Aspekten des Alltags. Menschen mit höherer Authentizität verfügen nachweislich über mehr Wohlbefinden und Selbstwertgefühl, führen glücklichere romantische Beziehungen und finden eine stärkere und klare Bedeutung für ihr Leben. Aber ist die Bedeutung von „authentisch sein“ gleich in verschiedenen Kulturen? Was wird in verschiedenen Kulturen als authentisch wahrgenommen?

Michail Kokkoris vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS) und Ulrich Kühnen von der Jacobs University Bremen gingen dieser Frage mit einer empirischen Studie nach, im Rahmen derer 160 Probanden in Deutschland und China befragt wurden. Die Forscher nahmen an, dass man in eher individualistischen Kulturen (wie in Deutschland) dann authentisch wirkt, wenn man seine persönlichen Eigenschaften deutlich ausdrückt und das eigene Selbst klar von anderen Individuen abgrenzt. In eher kollektivistischen Kulturen (wie in China) würde man authentisch wirken, wenn man seine persönlichen Eigenschaften nicht zu stark betont, da es sonst eventuell zu Konflikten mit anderen Personen kommen kann.

Anhand der Beschreibung von Vorlieben und Abneigung von Filmen bewerteten die Studienteilnehmer, wie authentisch die beschriebene Person auf sie wirkt. Die deutschen Teilnehmer bewerteten eine Person als authentischer, die sowohl Neigung als auch Abneigung für bestimmte Filme ausdrückte. Die chinesischen Teilnehmer bezeichneten hingegen eine Person, die lediglich eine Vorliebe für gewisse Filme ausdrückte und keine Angaben über Filme machte die sie nicht mag, als authentischer und mehr „sie selbst“.

Verschiedene Darstellungen von Vorlieben und Abneigungen prägen somit auch unsere Wahrnehmung und Einschätzung von der Authentizität anderer Personen je nach Kultur unterschiedlich. Solche Erkenntnisse fördern unser Verständnis für Kommunikation auf internationaler Ebene und bilden eine Basis für erfolgreiche soziale und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Wussten Sie schon, dass die Zusammensetzung der sozialen Kontakte im Alter einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten hat?

November 2015

Starkes soziales Engagement im Alter und die Einbettung in soziale Beziehungsgeflechte mindern den Verlust von kognitiven Fähigkeiten und somit das Demenzrisiko. Grundannahme ist, dass Kontakte mit anderen Menschen das Gehirn stimulieren und trainieren – Voraussetzungen für den Behalt kognitiver Fähigkeiten.

Dabei vermutet Lea Ellwardt gemeinsam mit Kollegen der Freien Universität Amsterdam, dass nicht nur die Anzahl der sozialen Kontakte ausschlaggebend ist, sondern auch die Vielfalt der Kontakte. Vielfalt ist dann groß, wenn Personen Kontakte zu Menschen aus vielen unterschiedlichen sozialen Kreisen pflegen, also zum Beispiel gleichzeitig im Kreise von Verwandten, Freunden, Nachbarn oder ehemaliger Arbeitskollegen aktive Beziehungen unterhalten. Die Idee ist, dass vielfältige Kontakte vielfältige Stimulation bieten.

In einer Studie basierend auf 3.107 Frauen und Männern im Alter von 54 bis 100 Jahren, welche im Rahmen der Longitudinal Aging Study Amsterdam (LASA) befragt wurden, konnten die Forscher zeigen, dass Individuen mit vielfältigeren Beziehungsgeflechten über größere kognitive Fähigkeiten verfügen als Individuen mit weniger vielfältigen Beziehungsgefügen. Dieses Ergebnis zeigte sich unabhängig von der Gesamtanzahl der Kontakte sowie von spezifischen Beziehungstypen innerhalb des Geflechts.

Trotz allem hat eine steigende Kontaktvielfalt nur einen marginalen Effekt auf die Verringerung der kognitiven Leistung. Zukünftig gilt es, die Frage zu klären, inwiefern Beziehungsgefüge im Alter vor dem Verlust von kognitiven Fähigkeiten schützen, beziehungsweise deren Verlust aufschieben können.

Wussten Sie schon, dass die sexuelle Orientierung von Kindern praktisch keinen Einfluss auf die Beziehungsqualität zu ihren Eltern hat?

Oktober 2015

Trotz der vielfach geäußerten Befürchtung, dass sich die Beziehungsqualität zwischen den Generationen in Familien im Zeitverlauf verschlechtert haben könnte, konnte eine Vielzahl familiensoziologischer Untersuchungen zeigen, dass es in Deutschland wie in anderen westlichen Ländern nach wie vor enge Beziehungen und ein hohes Maß an Unterstützung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern gibt. Bislang wenig bekannt war bislang hingegen darüber, ob die sexuelle Orientierung der Kinder möglicherweise einen negativen Einfluss auf die Beziehungsqualität zu den Eltern hat. In einer aktuellen Studie auf Basis von mehr als 7.500 im Rahmen des Beziehungs- und Familienpanels (pairfam) durchgeführten Interviews konnten die ISS-Forscher Karsten Hank und Veronika Salzburger zeigen, dass Kinder mit einem gleichgeschlechtlichen Partner nur eine geringfügig geringere emotionale Nähe zu beiden Eltern und eine etwas niedrigere Kontakthäufigkeit zu ihren Vätern berichten. Überhaupt keine Unterschiede zwischen hetero- und homosexuellen Kindern finden sich hinsichtlich der Häufigkeit von Konflikten mit den Eltern. Die Befunde werden dahingehend interpretiert, dass heteronormative Erwartungen der Eltern, etwa im Hinblick auf Ehe und Elternschaft der Kinder, zumindest im deutschen Kontext keine Rolle für die Ausgestaltung intergenerationaler Beziehungen spielen.