Wussten Sie schon, dass Menschen, die immer nach der besten Entscheidung streben, anders glücklich sind?

Neue Studie vom ISS-Forscher Michail Kokkoris

Menschen unterscheiden sich dahingehend, wie sehr sie die bestmögliche Entscheidung in alltäglichen Entscheidungssituationen treffen wollen. In der Psychologie heißen Personen, die immer nach der besten Entscheidung streben, hohe Standards haben und mit der zweitbesten Option nicht zufrieden sind, „Maximizer“. Personen, die mit der Suche aufhören und eine Entscheidung treffen, sobald sie eine akzeptable Option gefunden haben, die bestimmten Grundkriterien entspricht, bezeichnet man hingegen als „Satisficer“. Die Frage ist nun: Sind Maximizer glücklicher im Leben? Eigentlich sollten sie es sein, weil sie hohe Standards haben und am Ende sehr wahrscheinlich oft das Beste finden. Oder ist ein solches Verhalten ein Rezept, unglücklich zu werden, weil Maximizer immer mit dem Zweifel leben müssen, dass sie sich besser hätten entscheiden können, wenn sie mehr gesucht hätten? Lange wurde in der Entscheidungsforschung angenommen, dass Maximizer weniger glücklich in ihrem Leben sind als Satisficer, denn allein der Gedanke, dass es etwas Besseres geben könnte, lässt die Maximizer das Leben nicht in vollen Zügen genießen.

Neuere Studien stellen diese Annahme allerdings in Frage. In diesem Kontext ist auch eine neue Studie von ISS-Forscher Michail Kokkoris angesiedelt. Diese Studie legt nahe, dass man für die Frage, ob Maximizer tatsächlich weniger glücklich im Leben sind als Satisficer, zwischen zwei Arten von Glück unterscheiden sollte. Einerseits kann Glück bedeuten, Vergnügen zu suchen und Schmerz zu vermeiden, d.h., mehr positive als negative Emotionen zu erleben. Diese Art von Glück wird als hedonistisches Glück bezeichnet. Andererseits kann Glück auch bedeuten, das eigene Potential zu erkennen und Selbsterfüllung zu erlangen. Zum Beispiel ist man glücklich, wenn man sich mit Aktivitäten befasst, die einem persönlich etwas bedeuten und das eigene Selbst widerspiegeln, so wie die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten (z.B. trainieren), der Erwerb von neuen Fähigkeiten (z.B. Klavier spielen), oder anderen zu helfen (z.B. ehrenamtliche Arbeit). Solche Aktivitäten sind nicht unbedingt vergnüglich an sich, aber geben dem Leben Sinn und motivieren Menschen, ihr volles Potential zu entfalten. Diese Art von Glück wird als eudaimonistisches Glück bezeichnet.

Frühere Studien in Bezug auf Maximierung und Glück haben diesen Aspekt von Selbsterfüllung komplett vernachlässigt. Allerdings müsste eine vollständige Antwort auf die Frage, ob Maximizer weniger glücklich sind als Satisficer, beide Arten von Glück betrachten – nicht nur Vergnügen, sondern auch Selbsterfüllung. Die Ergebnisse der Untersuchung von Michail Kokkoris zeigen, dass Maximizer hinsichtlich ihrer Selbsterfüllung höhere Werte als Satisficer aufwiesen. Diese Befunde widersprechen der seit langem bestehenden Annahme, dass Maximizer unglücklich sind. Obwohl sie vielleicht nicht glücklicher sind als Satisficer im Sinne von Vergnügen und positiven Emotionen, führen sie doch ein gehaltvolleres Leben. Das Streben nach der besten Entscheidung gibt den Menschen Möglichkeiten, sich zu entwickeln und Chancen zu ergreifen. Das ist nicht unbedingt mit mehr Vergnügen verknüpft, aber auf jeden Fall mit Sinn, Selbstverwirklichung und Selbsterfüllung – und die sind auch wichtige Aspekte des menschlichen Glücks.