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Forschung

Die Frage nach der Verteilung von Ressourcen, sprich das „Wer bekommt was?“, ist sowohl für die Sozialwissenschaften als auch für die Gesellschaft insgesamt von fundamentaler Bedeutung. Allerdings mangelt es an Genauigkeit, wenn nach dem „Wer?“ gefragt wird. Die Betrachtung von Familien und Paaren auf der Haushaltsebene, so wie es häufig gängige Praxis in der Forschung zur Verteilung ökonomischer Ressourcen ist, steht einem tieferen Verständnis der Verteilung von Lebenschancen im Weg, da unklar ist wie persönliche Ressourcen innerhalb von Paarbeziehungen aufgeteilt werden.

Forschungsfrage

Unsere Nachwuchsgruppe “Accumulation of Personal Wealth in Couples: Individual Resources and Gender Inequalities in Intimate Relationships (MyWealth)” konzentriert sich auf die Verteilung des persönlichen, ökonomischen Vermögens innerhalb von Paarbeziehungen. Wir definieren das persönliche Vermögen als das Vermögen über das ein Individuum allein, zusätzlich zum Anteil am gemeinsamen Paarvermögen, verfügt (siehe Abbildung 1). Persönliches Vermögen ist eine zentrale Dimension sozialer Ungleichheit und wird, vor dem Hintergrund von Veränderungen in vielen Wohlfahrtsstaaten, ein zunehmend wichtigerer Bestandteil der finanziellen Sicherheit über den Lebenslauf hinweg. Die übergreifende Forschungsfrage unserer Nachwuchsgruppe ist: Wie gestaltet sich persönlicher Vermögensaufbau in Paarbeziehungen und woraus ergeben sich Vermögensungleichheiten zwischen Partnern?

Abbildung 1: Vermögens- und Einkommensströme in Paarhaushalten  

*bezieht sich auf das gemeinsame Haushaltsvermögen beider Partner, deren jeweilige Anteile variieren können

Forschungsziele

Bisherige Forschung hat gezeigt, dass Frauen größtenteils über weniger persönliches Vermögen in Paaren verfügen. Es mangelt jedoch an einer detaillierten Betrachtung der Prozesse, die dem Vermögensaufbau zugrunde liegen und auf die Geschlechterungleichheiten innerhalb von Paaren zurückgeführt werden können. Unser erstes Ziel ist daher zu verstehen, wie die Partnerschaft den Vermögensaufbau von Frauen und Männern beeinflusst. Zweitens möchten wir ein besseres Verständnis zur Entstehung von ökonomischen Ungleichheiten in Paaren über den Zeitverlauf leisten. Drittens sind wir bestrebt, Rahmenbedingungen zu identifizieren, die den Vermögensaufbau innerhalb von Paaren moderieren. Wir greifen dabei auf Theorien zur innerhaushaltlichen Ressourcenverteilung in Verbindung mit einer Lebenslaufperspektive zurück. Unsere zentrale Arbeitshypothese ist, dass bekannte Prozesse des Vermögensaufbaus auf der Haushaltsebene sich mit geschlechtsspezifischen und bisher unterbeleuchteten Effekten auf das persönliche Vermögen von Frauen und Männern in Partnerschaften auswirken. Darüber hinaus stellen wir die Hypothese auf, dass sich dieser Prozesse im Ländervergleich, beispielweise aufgrund verschiedener Steuersysteme, unterscheiden.

Vorgehen

Wir untersuchen den persönlichen Vermögensaufbau aus verschiedenen Perspektiven, sowie Individuen in Paaren im Zeitverlauf und über Länder hinweg, um diese Annahmen zu überprüfen. Zum einen greifen wir dabei auf Sekundärdaten in Form von Panelbefragungen aus Australien, Deutschland, Großbritannien und den USA zurück. Des Weiteren bereichern wir diese Analysen mit experimentellen, faktoriellen Surveys, die in den vier genannten Ländern subjektive Einstellungen zu persönlichem Vermögen erfassen. Das Zusammenführen von Ergebnisse aus beiden Analysen ermöglicht es, umfassende Antworten auf die übergreifende Forschungsfrage zu geben. Hiermit tragen wir zu einem besseren Verständnis der ungleichen Lebenschancen von Frauen und Männern vor dem Hintergrund von Vermögensungleichheiten bei.

Teilprojekte

Das Gesamtprojekt gliedert sich in vier Teilprojekte. Dabei setzt sich (1) mit der Typisierung von Verläufen der Vermögensakkumulation aus der Lebenslaufperspektive auseinander, (2) betrachtet Ursachen von Vermögensdynamiken, (3) erkundet Einstellungen gegenüber persönlichem Vermögen in Paarbeziehungen, und (4) konzentriert sich auf die ökonomischen Folgen, welche lebenslange Vermögensakkumulation im Alter nach sich zieht.